Der Rüffel aus Rom

Das Schreiben vom 21. Juli aus Rom war eindeutig: Ihr in Deutschland seid nur eine Teilkirche und habt euch keine Gedanken über notwendige Veränderungen oder Entwicklungsperspektiven zu machen. Ihr könnt ja ein paar Wünsche in den Vatikan senden. Die Einheit der Weltkirche geht vor – Punkt. Koste es was es wolle, möchte man betrübt anmerken. Ich bin aber auch froh, dass der Vorsitzende der Bischofskonferenz und die Vorsitzende des Zentralkomitees der Katholiken am gleichen Tag einmütig den quasi anonymen Brief zurückgewiesen haben. Sie verwiesen darauf, dass hier in Deutschland kein Aufstand geprobt wird, sondern ernsthaft und mit großem theologischen Sachverstand versucht wird, die christliche Kirche zu retten, Schaden auszugleichen und theologische und pastorale Perspektiven zu entwickeln. Es geht um vorsichtige Schritte auf dem Weg zu einer gerechten Kirche. Diese synodalen Überlegungen gibt es im Übrigen auch in anderen Kirchen unserer Welt, denn überall ist katholische Kirche am Wackeln. Aber es gibt auch schräge Bilder über unseren Synodalen Weg. Von Alleingängen und Kirchenspaltung wird da fabuliert. Von einer Lateinamerika-Reise berichtet Adveniat-Chef Martin Maier, dort sei „das Bild des Synodalen Wegs in Deutschland von einseitigen Informationen und Falschdarstellungen geprägt“.


Ich finde es auch nicht mehr lustig, wenn Papst Franziskus gegenüber Bischof Bätzing sagt: „Es gibt eine sehr gute evangelische Kirche in Deutschland. Wir brauchen nicht zwei von ihnen.“ Darum geht es nicht, sondern: Es geht um das Überleben und Leben der katholischen Kirche in Deutschland. Die Menschen gehen in Scharen, weil sie die Lehre Jesus, die frohe Botschaft und den Koloss Kirche nicht mehr übereinander bekommen. Und sie wechseln nicht zur evangelischen Kirche. Sie werden im Glauben heimatlos. Spätestens ihre Enkel werden glaubenslos. Deutschland verliert eine Kirche, die sich gesellschaftlich mit ihren Werten einbringen kann. Die Kirche verliert Gläubige, nicht nur Kirchensteuerzahler. Das nehmen viele in Rom billigend in Kauf. Bei vielen Engagierten, die Kirche besser machen möchten, steigt Trotz hoch: Aber nicht mit uns, denn schließlich haben wir einen Auftrag für die Welt bekommen, vom Chef persönlich. Der hat, so berichten alle vier kanonischen Evangelien, schon einmal einen Tempel räumen lassen.